Zu schnell gefahren
Die Bremsen haben blockiert. Du bist starr vor Schreck.
Es gibt kein Ausweichen mehr.
1,0 Sekunden
Mit weißen knöcheln umklammerst du das Lenkrad.
0,9 Sekunden
Noch knapp 30 cm bis zum Baum.
0,8 Sekunden
Die vordere Stoßstange und der Kühlergrill werden zermalmt.
0,7 Sekunden
Mit 80 km/h rast dein Körper nach vorne. Du wiegst jetzt
mehr als 3 t undwirst mit 20-facher Schwerkraft aus dem Sitz
gehoben. Deine Beine brechen am Kniegelenk.
0,6 Sekunden
Dein Körper löst sich aus dem Sitz, der Rumpf ist starr
aufgerichtet, die gebrochenen Kniegelenke gegen das
Armaturenbrett gepresst.
Umhüllung und Stahlfassung des Lenkrads biegen sich unter
deinen Händen.
0,5 Sekunden
60 cm des Autobugs sind total deformiert.
Dein Körper rast weiter mit 80 km/h.
Der Motor,fast 1/2 t schwer, stößt in das Hindernis.
0,4 Sekunden
Deine Hände - in Totesangst starr verkrallt, biegen das
Lenkrad fast vertikal. Die Gelenke und Unterarme brechen.
Durch die andauernde Schwerkraft wirst du von der Lenksäule
durchbohrt. Stahlsplitter dringen in den Brustkorb, reißen
Löcher in die Lungen und zerfetzen die inneren Arterien.
Blut dringt in den Lugenflügel.
0,3 Sekunden
Deine Füße werden aus den Schuhen gerissen.
Das Bremspedal bricht ab,
das Fahrzeuggestell bricht in der Mitte ein. Bolzen lösen sich,
Schrauben reißen ab. Dein Kopf kracht gegen die Windschutzscheibe.
Du hast nicht einmal mehr Zeit zum Schreien.
0,2 Sekunden
Das Auto krümmt sich. Die Sitze haben sich aus den
Verankerungen gelöst,
schnellen nach vorne und pressen deinen Brustkorb
unbarmherzig gegen die
gesplitterte Lenksäule. Blut schießt aus deinem Mund.
Durchden Schock belibt dein Herz stehen.
0,1 Sekunden
Du bist tot! 0,0 Sekunden
...und wie schnell fährst DU in Zukunft...?
Gedanken eines Feuerwehrmannes
Ich wünschte, du könntest
den Kummer des Geschäftsmannes sehen, als sein
Lebenswerk in Flammen aufging oder die Familie,
die nach Hause kam, nur um ihr Haus und ihre
Habseligkeiten beschädigt oder sogar zerstört vorzufinden.
Ich wünschte, du könntest
fühlen, wie es ist, ein brennendes Schlafzimmer nach eingeschlossenen
Kindern abzusuchen; die Flammen schlagen über deinen Kopf hinweg,
während des Kriechens schmerzen deine Handflächen und Knie, der Fußboden
gibt unter deinem Gewicht nach, wenn die Küche unter dir zu brennen anfängt.
Ich wünschte du könntest
die Furcht in den Augen einer Ehefrau um 3 Uhr morgens sehen, wenn ich
ihrem 40 Jahre altem Ehemann den Puls fühle und keinen finde, ich beginne
mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung, hoffe wider besseres Wissen ihn
zurückzuholen, aber ich weiß, dass es zu spät ist. Aber seiner Frau und
seiner Familie muss ich das Gefühl geben, dass alles Mögliche getan wurde.
Ich wünschte, du könntest
den unvergleichlichen Geruch von brennenden Isolierungen, den Geschmack von
Ruß auf deinen Schleimhäuten, das Gefühl der intensiven Hitze, die durch
deine Ausrüstung dringt, das Geräusch
der lodernden Flammen und die Beklemmung absolut nichts durch diesen
dichten Rauch zu sehen, nachempfinden - "Sensationen, an die ich mich
zu sehr gewöhnt habe, mit denen ich zu sehr vertraut geworden bin."
Ich wünschte, du könntest
verstehen, wie es ist, am Morgen zur Schule oder zur Arbeit zu gehen,
nachdem du den Großteil der Nacht, heiß und wieder nass durchgeschwitzt,
bei einem Großfeuer verbracht hast.
Ich wünschte, du könntest
meine Gedanken lesen, wenn ich zu einem entstehenden Feuer gerufen werde,
"Ist es ein falscher Alarm oder ein fortgeschrittenes, atmendes Feuer?
Wie ist das Gebäude konstruiert? Welche Gefahren erwarten mich?
Sind Menschen eingeschlossen?"
Ich wünschte, du könntest
in der Notaufnahme dabei sein, wenn der Arzt das hübsche 5 Jahre
alte Mädchen für tot erklärt, nachdem ich es zuvor 25 Minuten lang
versucht habe am Leben zu halten; sie wird nie zu ihrem
ersten Date gehen können oder jemals wieder die Worte
"Ich liebe dich, Mama" sagen können.
Ich wünschte du könntest
die Frustration im Führerhaus des Löschfahrzeuges fühlen, der
Maschinist drückt seinen Fuß fest auf die Bremse, mein Daumen
drückt wieder und wieder den Schalter des Presslufthorns, wenn du
vergeblich versuchst, dir Vorfahrt an einer vorfahrtberechtigten
Kreuzung zu verschaffen oder im dichten Verkehrsstau. Wenn du
uns brauchst, wann auch immer es ist, deine ersten Worte nach unserem
Eintreffen werden sein:
"Es hat fast eine Ewigkeit gedauert bis ihr hier wart!"
Ich wünschte, du könntest
meine Gedanken lesen, wenn ich helfe, eine junge Frau aus den
zertrümmerten Resten ihres Wagens zu ziehen,
"Was wäre, wenn es meine Schwester, meine Freundin oder eine Bekannte ist?
Wie werden ihre Eltern reagieren, wenn vor ihrer Tür ein Polizist steht,
der seine Mütze in den Händen hält?"
Ich wünschte, du könntest
wissen, wie es sich anfühlt nach Hause zu kommen, meine Eltern und
Familie zu begrüßen, aber nicht das Herz zu haben ihnen zu erzählen,
dass ich beinahe von meinem letzten Einsatz nicht zurückgekommen wäre.
Ich wünschte, du könntest
die physische, emotionale und mentale Belastung von stehengelassenem Essen,
verlorenem Schlaf und verpasster Freizeit vorstellen, zusammen mit all
den Tragödien, die meine Augen gesehen haben.
Ich wünschte du könntest
die Kameradschaft und die Befriedigung, Leben gerettet oder jemandes
Eigentum geschützt zu haben, erfahren, da zu sein zur richtigen Zeit am
richtigen Ort, in der Gefahr oder aus der Hektik und dem Chaos heraus
Ordnung zu schaffen.
Ich wünschte, du könntest
verstehen, wie es ist, einen kleinen Jungen auf deinem Arm zu tragen,
der fragt, "Ist meine Mama O.K.?", und es ist dir unmöglich, ihm in die
Augen zu schauen, ohne dass dir die Tränen in die Augen steigen und
weißt nicht, was du sagen sollst. Oder wie es ist, einen alten Freund
zurückzuhalten, der mit ansehen muss, wie sein bester Kumpel in den
Rettungswagen getragen wird, und du weißt genau,
daß er nicht angeschnallt war.
Solange du dieses Leben nicht durchgemacht hast,
wirst du niemals wirklich verstehen oder einschätzen können,
wer ich bin, was wir sind oder was unsere Arbeit wirklich bedeutet.
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